HipHop und Politik – FreeMix Radio

Geschrieben vom Ecoluddit

Themenfeld: Bewegte Bilder, Knowledge

Vor einiger Zeit bin ich auf die FreeMix Radio Show gestoßen, die von Dr. Jared Ball – “The Funkiest Journalist” – gehostet wird, kostenlos im Netz zum Runterladen auf den mp3-Player. In der Tradition der so genannten “Lecturetapes” verbindet Dr. Ball Inhalte der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung mit dem klassischen Modell des HipHop-Mixtapes. Damit steht er in direkter Tradition zu Chuck D’s Statement, HipHop sei das CNN der Schwarzen in den Vereinigten Staaten – politische Inhalte und gute Musik. Ein Gedanke, der zwischen all dem Bling anscheinend noch nicht ganz untergegangen ist …

Dr. Ball hat ein Konzept entworfen, das unterschiedliche, zeitgenössische Graswurzelmedien versucht zu verknüpfen. Auf der Basis unserer alltäglich genutzten “schönen, neuen Medienwelt” versucht er, ein Distributionsnetzwerk aufzubauen, das die von ihm propagierten Inhalte möglichst weit verbreitet. Sein Ziel ist eine professionell produzierte Radioshow “für umme”, die über das Netz, aber auch klassisch als CD aus dem Kofferraum heraus unter die Leute gebracht wird.

Inhaltlich lässt sich dieser Ansatz nicht 1:1 auf deutsche Gesellschaftsverhältnisse und unser hiesiges Mediensystem übertragen. Dennoch sehe ich hier Schnittmengen, z.B. ein neues Potenzial für einen emanzipatorischen Journalismus, den Kampf um die langfristige Sicherung der Netzneutralität und die dringend notwendigen Veränderungen in der Musikindustrie. Letzteres hat die jüngste Abmahnwelle vor ein paar Wochen gegen einige deutsche HipHop-Blogger (u.a. hier und hier) wieder einmal deutlich gemacht.

Dr. Ball spricht über das wie und warum der Freemix Radio Show. Aber gerade durch seine Formulierung der “underground radical press for the 21st century” fühle ich mich beim was auch an die Verbreitungsstrategie der deutschen Neonazis mit ihren Rechtsrock-CDs erinnert, die vor einiger Zeit vor den Berliner Oberschulen verteilt wurden, um deren Inhalte unter das Volk zu kriegen. Untergrundige Produktions- und Distributionswege stehen nun einmal allen offen – unabhängig vom übermittelten Inhalt. Somit finde ich es besonders wichtig, dass wir differenzierte Strategien für eine Auseinandersetzung auf der Inhaltsebene finden, und es nicht Zensursula-like einfach auf eine pauschale Einschränkung der Nutzung einer technischen Infrastruktur hinausläuft. Die Kollateralschäden solcher Verbote sind einfach zu groß.

Mittlerweile bauen die ersten in der Netzkultur verhafteten Medienaktivisten (semi-)professionelle Tonstudios auf. Betrachtet man die Akzeptanzstudien für die Nutzung von RSS-Feeds, Blogs, Podcasts und auch Twitter scheint es offensichtlich, dass die Verbreitung unabhängiger Medien über Soziale Netzwerke, Podcasts u.ä. weiter ausgebaut werden muss, um eine größere Hörerschaft zu erreichen. Dr. Balls Überlegungen, trotz dieser Entwicklung auch auf die klassischen Distributionswege zurückzugreifen, z.B. temporäre Funkwellen und Mixtapes aus dem Kofferraum, machen in Rahmen einer neuen Verschränkung globalen und lokalen Denkens und besonders unter dem Aspekt der Erreichbarkeit (Zugang zu Neuen Medien und Fähigkeiten im Umgang mit diesen) auch im Jahre 2009 m. E. tatsächlich noch Sinn.

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